Die Nacht schien unendlich lange.
Neben dem unbequemen Sofa kam nämlich auch noch die Straßenbahn hinzu die mit riesigem Lärm alle par Minuten am Fenster vorbei rauschte. Ebenfalls störten die Scheinwerfer der Autos die die ganze Nacht über von der Straße her direkt an meine Zimmerdecke schienen.
Aus dem Badezimmer kamen ebenfalls merkwürdige Geräusche.
Ob es sich bei diesen um das gluckern der alten Wasserrohre oder um das Trappeln der Kakerlaken handelte, konnte ich nur erahnen.
Erst als die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster fielen, atmete ich auf.
Es kam mir wie ein Filmriss vor. Ich konnte mich nicht erinnern geschlafen zu habe, dennoch fühlte ich mich sehr ausgeruht, was natürlich mehr als vorteilhaft für mich war.
Nachdem ich mir meine Klamotten angezogen und meine Haare etwas über gekämmt hatte, wollte ich zum frühstücke über die Straße ins Diner gehen.
Auf dem Weg zu Tür kam mir der Hausverwalter mit einer Postkarte entgegen.
„Hier! Eine Postkarte von ihrer Mutter.“ Sagte er, übergab mir die Karte und ging in einem müden Gang hinter mir die Treppe hoch.
„Ein Brief von meiner Mutter?“, dachte ich „schickt die mir jetzt Briefe aus dem Jenseits?“.
Es handelte sich allerdings wieder um eine Karte aus Washington, die lediglich mit „Ma“ unterschrieben war, was die Initialen von Michael Anderson waren.
„Hoffe du konntest deine Wohnung in Empire bay finden, Franky. Onkel Harry denkt, du solltest mal einige seiner Lieblingsorte in Downtown besuchen. Du könntest einige interessante Leute im „Freddys“ in little Italy treffen. Die Docks sind auch sehr schön zu dieser Jahreszeit. Pass Nachts in den Straßen auf. Dein Vater und ich machen uns Sorgen um dich. -MA“
Bei dieser Postkarte handelte es sich logischer Weise um einen verdeckten Hinweis des FBI, an welchen Orten ich die Suche beginnen sollte.
Aber nachdem, was ich gestern im Diner von der Bedienung gehört hatte, wäre Little Italy so wie so mein erstes Ziel gewesen.
Nach einem kleinen Frühstück im Diner, machte ich mich auf den Weg zu „Freddys Bar“.
Nach einer recht kurzen Taxifahrt über die große Brücke, die die Wohngebiete mit dem Rest der Stadt verbindet, war ich nach einigen Minuten auch schon in Little Italy.
Eine recht runter gekommene Gegend.
Hier schienen sich sämtliche italo Immigranten herrumzutreiben, die frisch vom Schiff gekommen waren oder es hier in der großen Stadt einfach nicht geschafft haben.
Zur Bar ging es noch ein par Schritte, bei denen ich auf der anderen Straßenseite am Fenster eines Mehrfamilienhauses einen Mann bemerkte, der im besten Italienisch zwei Männer beschimpfte, die sich in einer Gasse zwischen mehreren Müllsäcken eine kleine Rangelei lieferten.
Das Bild dieser Gegend beängstigte mich, sodass ich ersteinmal nachfühlen musste, ob meine Brieftasche auf den par Metern noch nicht abhanden gekommen ist.
So gelangte ich an der Eingangstür der Bar an und ging mit selbstbewusster Miene hinein.
Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt sehr wolkig und ich dachte mir, dass ich vielleicht einen kleinen Drink zum munter werden gebrauchen könnte.
Die Bar war gepflegter als die gesamte Gegend zusammen.
Rechts an der Wand befand sich ein Tresen mit einer großen Getränkeablage, gegenüber mehrere Sitztische und am Ende des Raumes stand in einer Nische noch eine Jukebox und eine Billardtisch.
Ansonsten war noch eine Treppe vorhanden, die lediglich eine Etage höher zu noch mehr Sitzgelegenheiten führte.
Ich für meinen Teil nahm zu nächst einmal auf einem Stuhl am Tresen platz und bestellte mir ein kleines Glas Whisky.
Die Bar war wirklich gut Ausgestattet.
Auf den Regalen hinter den Tresen, standen mehrere Flaschen Scotch, Whisky und Wein. Aber nicht irgendein ein billiger Fusel, sondern hochwertige importierte Marken oder die besten aus Amerika.
Entweder hatte der Inhaber ein wirklich gutes Einkommen oder eine andere finanzielle Quelle.
Da die Bar zur Zeit nicht sehr gut besucht war, fing ich ein kleines Gespräch mit dem Barkeeper an.
„Heute ist das Wetter nicht ganz so schön wie gestern.“ Sagte ich und lies das Glas Whisky leicht in meiner Hand schwingen.
„Ja!“, erwiderte der Barkeeper „aber ich hatte heute eh nicht vor, viel nach draußen zu gehen. Ich wollte mir nachher lediglich das Spiel der Empire bay Cannons im Radio anhören, ansonsten hatte ich nichts besonderes vor“
Ich blickte auf das Radio, dass stumm rechts neben mir auf der Theke stand.
„Ich bin auch ein großer Fan der Empire bay Cannons!“, behauptete ich um Interesse zu heucheln.
Der Barkeeper nahm einen großen Schluck aus einer Scotchflasche, die er unter dem Tresen abgestellt hatte.
„Ist nicht wahr? Die haben diese Saison aber auch schon ein par wirklich gute Spiele hingelegt. Ach ja! Johnny Morgan mein Name.“ Sagte der Barkeeper mit einem freundlichen Gesicht und gab mir die Hand.